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Inspiration der vier Elemente

Inspiration der vier Elemente

Kreativ mit Wasser, Luft, Erde und Feuer

Du spürst wie der Lehm sich an deinen Körper schmiegt, deine Haut verwöhnt, langsam sinkst du ein. Du wirst eins mit der Erde, sie trägt dich und nimmt dich gleichzeitig in sich auf. Du gibst dich hin, verspürst keinen Anlass mehr dich zu bewegen, nach etwas zu streben, bist einfach nur da und bildest die Basis, auf der das restliche Leben tanzt. Am Himmel siehst du die Wolken ziehen, spürst den sanften Hauch der deine Härchen streichelt. Die warmen Strahlen der Sonne dringen wohlig in dich ein und deine Finger spielen mit dem seichten Strom des Wasser, welches in dein Lehmbad sickert.

Der Schlägel in deiner Hand trifft auf das schwere Kuhfell. Die kraftvolle Vibration durchdringt deinen Leib. Gleichmäßig bewegst du dich auf und ab, um die beiden Fass-großen Trommeln vor dir abwechselnd anzuschlagen. Der Schweiß rinnt, wie in Trance wirst du eins mit dem Rhythmus, gibst dich der immer gleichbleibenden Abfolge von Schlägen hin. Du bist nur noch Groove, trägst, bildest die Basis für die weiteren Musiker. Die Djembe mit ihren feurigen Rhythmen, die schwebenden, leichten und doch virtuos geblasenen Tonabfolgen einer Querflöte, die fließend, verspielt gezupften Melodien einer Gitarre.

In beiden Situationen bist du in einen intensiven Kontakt mit der Erde getreten, während du die Energie von Luft, Wasser und Feuer um dich herum erleben konntest.

Die vier Elemente

Die vier Elemente, so erkannte schon der griechische Naturphilosoph Empedokles und wohl auch so mancher vor ihm, stellen die vier grundlegenden Qualitäten der Existenz dar. Sie wahrzunehmen und vor allem mit ihnen in Kontakt zu treten sowie sie mit unseren Sinnen zu erleben, lehrt uns ihre ureigene Qualitäten zu verstehen. Diese beschränken sich allerdings nicht auf die Erde, wie wir sie greifen können, das Feuer, dessen Strahlung unsere Haut wärmt, das Wasser, in welchem wir baden, oder die Luft, die mit jedem Atemzug in uns strömt. Sie sind bloß die Lehrer, die uns diesen grundlegenden Zugang vermitteln, welcher sich auf allen Ebenen der Existenz wiederspiegelt. So nutzen auch die Schamanen die vier Elemente als Brücke, um den Menschen in tiefere Ebenen seiner Selbst und der Existenz zu führen. Wie in der Schwitzhütte, bei der Großvater Sonne in Form des Feuers die Steine erhitzt, welche danach die Gebärmutter von Mutter Erde, eben jene Schwitzhütte, befruchten. Wo dann der Schamane mit Hilfe des Aufgießens von Wassers unsere Gebete in die Luft und auf diesem Wege zu den Spirits trägt. Das alles nachdem vorher jedes der vier Elemente aus der ihm zugeordneten Himmelsrichtung her eingeladen wurde der Zeremonie beizuwohnen.

Das Medizinrad

Die Zuordnung zu den Himmelrichtungen entstammt dem Medizinrad, einem Glaubenssystem und Werkzeug, mit welchem verschiedene Kulturen arbeiten um die Existenz zu beschreiben und sich in ihr zu orientieren. Die vielen Aspekte der Existenz ergänzen sich zu diesem Rad, welches gerade durch deren Unterschiedlichkeit rund wird. Ein Kreuz aus zwei Achsen definiert die vier Hauptplätze des Rades, denen jeweils nicht nur eines der vier Elemente zugeordnet wird, sondern auch viele andere Aspekte. Immer aufs Neue ergänzen sich diese und bilden Räder auf anderen Ebenen der Existenz. So wie Wasser, Luft, Erde und Feuer sich als Grundbausteine der Existenz ergänzen, so setzt sich (in analoger Reihenfolge) aus Pflanzen, Tieren, Mineralien und Menschen das Leben zusammen, so wird unser menschliches Sein von Gefühlen, Verstand, Körper und Geist gebildet. Gleichzeitig ergänzen sich unser inneres Kind, der Erwachsene in uns, unser weiblicher sowie unser männlicher Anteil. Jeder Aspekt der Existenz kann einem Platz auf dem Medizinrad zugeordnet werden, der dabei gleichzeitig Qualitäten aus all den unterschiedlichen Wirklichkeitsebenen beherbergt. Diese gehen eine Verbindung ein und bilden Brücken zwischen den Ebenen. Wie z.B. das Wasser zusammen mit den Gefühlen, dem inneren Kind, den Pflanzen, der Fruchtbarkeit, der Fantasie, der Unschuld, der Verspieltheit, der Intuition, und vielem mehr gemeinsam im Süden des Medizinrades wohnt und somit all die anderen Aspekte repräsentieren kann. Die Zuordnungen zu den Himmelsrichtungen ist dabei nicht naturgegeben, sondern abstrakt und unterscheidet sich in den von unterschiedlichen Kulturen angewandten Rädern. Unabhängig davon erlangt das jeweilige Glaubenssystem durch die dauerhafte, kollektive Nutzung eine große Kraft.

Wasser, Luft, Erde und Feuer als Lehrer, als Werkzeug und als Teil des kreativen Schaffens

Wasser, Luft, Erde und Feuer, deren ureigene Qualitäten mit unseren Sinnen so wunderbar wahrgenommen werden können, erlangen durch die Verinnerlichung des Medizinrades zusätzliches Potential als Lehrer und Werkzeug der Wahrnehmung meiner selbst und meiner Umwelt. Indem ich den Kontakt zu dem jeweiligen Element suche, kann ich in tiefere Schichten der zugeordneten Aspekte meiner selbst gelangen. So wie ich nahe eines plätschernden Baches in meine Gefühle eintauchen oder bei einer Wanderung in luftigen Höhen mentale Klarheit erlangen kann.

Wasser, Luft, Erde und Feuer sind allerdings nicht nur in der Lage, uns in einen intensiveren Kontakt zu den archetypischen Qualitäten auf den verschiedenen Seinsebenen zu führen. Auch bieten sie eine wunderbare Brücke um die analogen Aspekte anderer Ebenen in unser kreatives Schaffen einfließen zu lassen. Sodass Lehm und Ton nicht nur Mutter Erde und die Welt der Mineralien in sich tragen, sondern der Prozess des Knetens eine Auseinandersetzung mit Hingabe, Transformation und Weiblichkeit anregt. Wo beim Eintauchen des Pinsels die sich im Wasserglas sinnlich ausbreitenden subtilen Farbgewebe Gefühle aus der Kindheit wecken, die sich dann in allen Farben, fließend, kindlich, phantasievoll auf dem weißen Blatt ausdrücken. Wo die Flammen beim rituellen Verbrennen einer Holzskulptur den Künstler zu höheren Ebenen seiner Spiritualität oder Sexualität geleiten können.

Mein eigener Prozess

Meine intensive Auseinandersetzung mit dem Medizinrad begann während des Zusammenlebens mit dem Schamanen Helmut Christoph alias Sunwalker in der Künstlergemeinschaft Wilde Rose. Dort durfte ich die harmonisierende Wirkung erleben, welche die Medizinradarbeit auf eine Gemeinschaft hat. Die wiederholte Teilnahme an der von Sunwalker entwickelten »Gaia-Einweihung«, einem extrem kraftvollen Zeremonialzyklus, belebte immer intensiver meinen Zugang zu den vier Elementen sowie das Verständnis des Medizinrades. Dadurch wurde mein kreatives Schaffen nachhaltig beeinflusst. Zunehmend suchte ich auch nach Wegen, dieses mir so heilsam erscheinende Verständnis auch anderen Menschen zu vermitteln. So habe ich nach und nach sehr unterschiedliche Herangehensweisen entwickelt, welche den Menschen animieren den Zugang zu Wasser, Luft, Feuer und Erde in ihr Leben zu integrieren und dabei ihre Kreativität anzuregen.

Music of the four elements

I felt more and more that the four elements are reflected as well in the musical play.
The earth, formed by supporting-grounded, rhythmic and harmonic structures. The understanding of the musical foundations as well as the ease in the play which are both represented by the element air. The playfulness and joyness of the water and the energetic spark of the fire which hopefully overleaps onto the audience. All four elements complete themselves to a round musical event and aim to be balanced.

Medizinrad der Sinne

Als ich eines Tages den Auftrag bekam, in Südspanien einen Sinnesgarten aufzubauen, war dies die Gelegenheit ein Medinzinrad der Sinne entstehen zu lassen in dem der Besucher durch Sinneserfahrungen in die Qualität jedes Platzes eintauchen kann. Eine wichtige Aufgabe dabei war es, in dem 20-köpfigen Team aus Künstlern, Handwerkern ,sowie Helfern den Geist des Medizinrades lebendig werden zu lassen, damit er sich künstlerisch und spirituell in der Gartenanlage manifestieren kann. So haben wir vor Beginn der Bauarbeiten einen von der »Gaia-Einweihung« inspirierten Zeremonialzyklus durchlaufen, welcher den gemeinschaftlichen kreativen Prozess iniziierte. Dabei wurde jedem der Elemente zwei Tage gewidmet, an denen die bevorstehenden Arbeiten sowie kreativen und spirituellen Prozesse im Geist des jeweiligen Elementes durch Besprechungen, Rituale, sowie je eine Schwitzhütte vorbereitet und eingeleitet wurden. Die abschließende Schwitzhütte des Feuers fand dann im Morgengrauen statt und läutete zu Vollmond den ersten Arbeitstag ein. Am darauffolgenden Vollmond wurde das Medizinrad der Sinne feierlich eingeweiht.

Valle de Sensaciones

Nach 14 Jahren als reisender Künstler mit meiner Werkstatt auf Rädern bin ich im Jahr 2000 auf den Platz gestoßen, welcher förmlich danach rief ein Projekt zu verwirklichen in dem alle diese Ansätze zusammenfließen: Das »Valle de Sensaciones« (spanisch für Tal der Sinne, der Gefühle und der Sensationen). Hier sind die vier Elemente so hautnah präsent, dass es nicht nötig ist sie ins Bewusstsein zu rufen. Das Leben wie auch das kreative Schaffen werden zu einen Tanz mit Wasser, Luft, Erde und Feuer. So lassen wir Objekte, Kunstwerke und Momente entstehen, die diese Verbindung zelebrieren: In der mit Feuer beheizten Badewanne unter freiem Himmel, kunstvoll mit dem Lehm des Platzes bauend, mit der Sonne kochend oder in Baumhäusern in luftiger Höhe schlafend. Oft entstehen hier die Werke in einem kreativen, sinnlichen als auch spirituellen Prozess. So wie wir uns bei Mutter Erde bedanken für den wunderbaren Baulehm, den sie uns hier schenkt. Im Lehm badend werden wir eins mit dem Material, während wir es gleichzeitig für den Bau aufarbeiten. Um dann mit den eigenen Händen unsere kunstvollen Gebäude daraus entstehen zu lassen.

Kreativ mit Wasser, Luft, Erde und Feuer